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Das Grab

Das Grab

Das hier dargestellte jungsteinzeitliche Großsteingrab Atteln I (und ein weiteres benachbartes mit der Bezeichnung Atteln II, das heute nicht mehr sichtbar ist) wurde 1926 entdeckt und bereits im gleichen Jahr archäologisch untersucht. Ein Großteil des Fundmaterials aus der Ausgrabung - insbesondere der geborgenen Menschlichen Skelettreste – ist leider seit dem 2. Weltkrieg zerstört. Die Grabanlage selbst war bei der Entdeckung durch die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen ebenfalls stark zerstört. In einer zweiten Ausgrabung im Jahr 1978 konnten jedoch weitere Erkenntnisse zu der Grabanlage gewonnen werden. So konnte durch moderne naturwissenschaftliche Untersuchungen am Fundmaterial das Alter der Anlage auf einen Zeitraum zwischen 3370 und 2925 v. Chr. bestimmt werden – sie gehört damit zu den ältesten Bauwerken in Mitteleuropa.

Die Grabanlage ist ca. 20 m lang und der Eingang befand sich an der östlichen Schmalseite, wie sich durch eine im Boden vorgefundene Steinpackung belegen lässt. Es gab an dieser Stelle offenbar keine Vorkammer wie bei anderen Gräbern der Zeitstellung. 20-30 cm starke senkrecht aufgestellte Kalksteinblöcke bildeten die Seitenwände der Grabkammer, die verbliebenen Zwischenräume waren mit Trockenmauern verschlossen und große Steinplatten bildeten den oberen Abschluss. Die gesamte Grabkammer war von einem aufgeworfenen Hügel umhüllt und somit im Gelände deutlich sichtbar. Von einer an anderen Gräbern der Zeit dokumentierten Einfriedung der Anlage ist aber bei dem Grab Atteln I nichts bekannt. Um das Bauwerk für Besucher zu veranschaulichen wurde der westliche Teil der Kammer mit dem Hügel darüber rekonstruiert.

Der Typus von Grabanlagen ist in der Forschung als Steinkisten- oder Galeriegrab bekannt – man kann aber auch einfach Großsteingrab sagen. Die ursprünglich etwas mehr als 1,30 m hohe und 2 m breite Grabkammer wurde offenbar über einen längeren Zeitraum für Bestattungen genutzt. Das in den Ausgrabungen geborgene Knochenmaterial deutet auf eine Anzahl von 200-400 Individuen, die damals dort bestattet wurden. Zwar fehlen aus der vorgeschichtlichen Zeit selbstverständlich konkrete Berichte und Anhaltspunkte, man muss aber vor dem Hintergrund einer derart aufwendigen Bestattungssitte sicher von entsprechend komplexen kulturell/religiösen Vorstellungen in der damaligen Gesellschaft ausgehen.

Urgeschichtliches Großsteingrab Atteln

Die großen Grabanlagen der Jungsteinzeit wurden vor etwa 5000 Jahren erbaut. Es sind Gemeinschaftsgräber, in denen eine Siedlungsgemeinschaft über mehrere Generationen ihre Toten bestattete. Diese ältesten Großbauwerke in unserer Region sind auch im Zusammenhang mit der Sesshaftwerdung der Bevölkerung zu sehen. die Erbauer der Gräber lebten bereits weitgehend ortsfest und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Die aufwendigen Grabbauten und die Grabbeigaben deuten auf einen komplexen Toten- und Ahnenkult.

Das Großsteingrab (Atteln 1) wurde nach archäologischen Ausgrabungen 1926 und 1978 teilweise wiederaufgebaut, um an diesem Beispiel die ursprüngliche Form und Bauweise zu zeigen. Für die Rekonstruktion wurde auch ein Teil des Hügels wieder aufgeworfen, der ursprünglich die gesamte Anlage überdeckte. Die Toten wurden dort ausgestreckt, auf dem Rücken liegend in ihrer Kleidung bestattet. Sie waren mit Schmuck, Amuletten, Waffen und Geräten, Speisen und Getränken vermutlich für das Leben im Jenseits ausgestattet. Davon blieben allerdings nur Dinge aus unvergänglichem Material erhalten. Bei den Ausgrabungen fanden sich neben Knochenresten z.B. Werkzeuge aus Feuerstein, durchbohrte Tierzähne, Bernsteinperlen, Anhänger aus Kupfer und kleinen Steinen, die an Halsketten getragen wurden.

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Siedlungen

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